Hyänen and More
Sport. Sir Peter pumpt sein Fahrrad auf und fährt zum laufen in den Tiergarten. Auf dem weg dorthin muss er zwei Tränen vergießen. Eine wenn er an der Backfabrik vorbei fährt. Die sieht jetzt so aus als ob ein rotes Lego Raumschiff dort über Nacht gelandet wäre. Die Tage als das Cookies und das Casino sich dort die Toiletten teilten sind vorbei. Unter dem Dach finden keine Events der Flora und Fauna Lounge mehr statt, an denen man in der Berliner Nacht mit Bier über das Dach läuft. Die selbst gebastelte Half Pipe für Skater ist weg. Früher stand auf dem Hinterhof, der so dunkel war, dass sich kein verirrter Münchner darauf getraut hat: „Friede, Freude, Eierkuchen“. Heute tummeln sich hier Start Up Agenturen und das zu Zeiten, wo man aus der Bank gejagt wird wenn man mit einer New Economy Idee nach einem Kredit fragt.
Die zweite Träne vergießt er wenn er am Radison Hotel vorbei radelt. Hier meinte man, dass man das wunderschöne Palast Hotel abreisen muss um einen Seelenlosen Kasten hinzustellen in dem man, haltet euch fest, mit einem Fahrstuhl durch ein Aquarium fahren kann. Während der Abriss des Palast der Republik immer höhere Wellen schlägt, die ästhetisch gerechtfertigt werden, scheint auf der anderen Seite des Flusses, dass Gewissen und der Geschmack aufzuhören. Jetzt stehen Krethi und Plethi in einer endlos Schlange, um dann für aberwitzig viel Geld mit der Gesamten Familie einmal mit dem Fahrstuhl zu fahren. Das Ultimative Berlin Erlebnis also. Wie so etwas nach zehn Jahren wohl aussieht? Sehrwahrscheinlich werden aus Kostengründen nach und nach die exotischen Fischen durch den hiesigen guten deutschen Weißfisch ersetzt bis dann irgendwann mal komplett das Wasser abgelassen wird.
Sir Peter fährt schneller. Manchmal schafft er es die grüne Welle bis zum Brandenburger Tor zu surfen. Allerdings ist das schon seit einigen Jahren, dank niemals endend wollender Baustellen, nicht mehr passiert. Heute mal keine Friedendemonstranten vor den Absperrungen der US Botschaft? Bloß nicht mit Touristen zusammenstoßen, die rückwärts laufend verzweifelt versuchen das Brandenburger Tor zu knipsen.
Endspurt, Sir Peter fährt vorbei an den russischen Spielzeugpanzern und dann rechts in die Strasse, die Jahrelang offiziell „Entlastungsstrasse“ hieß. Er schließt sein Rad gegenüber vom Kanzleramt ab. Der Berliner an sich hat ja eine Schwäche für Namensgebung in Bezug auf Gebäude. Das Kanzleramt ist die Waschmaschine. Er dehnt sich etwas und läuft los. Drei Schritt einatmen, drei Schritt ausatmen. Der Glockenturm an der Schwangeren Auster spielt sein Lied. Da vorne liegt wieder der Exhibitionist, der sich immer Nackt direkt an dem Spaziergänger weg legt und wenn dann ein paar Damen vorbei gegangen sind zieht er sich schnell an und wechselt seinen Standort. Den Kerl kannte er vom sehen schon ein paar Jahre. Auf der Rassenfläche vor dem Schloss Bellevue ist wie immer die halbe Türkei versammelt. Die Rauchschwaden ihrer Grille bringen ihn aus dem Rhythmus. Drei Schritt durch den Mund einatmen, drei durch die Nase ausatmen.
Unter der Unterführung durch, die so herrlich kühl ist, wo Schwalben nisten und meistens der Saxophone Spieler steht. Am Hindenburg Denkmal macht einer Aktphotos mit einer teutonischen Schönheit. Die Punks am Ring waschen Fensterscheiben der Autofahrer. Weiter Richtung Zoo. Zwei Eichhörnchen jagen sich durch die Äste und ich denke: „oh wie schön“. Ein Obdachloser sitzt schmutzverschmiert auf dem frisch gesäten Rasen und verrichtet seine Notdurft und Sir Peter denkt: „was für ein Scheiß“. Ein kleiner Trampelpfad geht vor ihm in durch die Büsche. Ein neuer Weg? Ausprobieren. Hinter den Büschen stehen vereinzelt Männer. Er kommt an einem öffentlichen WC raus. Die Schwulen Klappe, also wieder zurück, doch kein neuer Weg. Die einzige Steigung am Schleusenkrug, dann links rein am Zoo entlang. Die Hyänen laufen aufgeregt hin und her. Sie stinken. Früh morgens heulen manchmal die Wölfe. Ein kurzer Abstecher zu Rosa Luxemburgs Grab. Eigentlich ist Sir Peter ja konservativ. Dann über die Brücke, vorbei an der spanischen Botschaft. Rechts Richtung CDU Zentrale. Über die Straße, die Ampel ist rot. Jetzt nicht den Rhythmus verlieren. Drei ein, drei aus. Über die Straße Richtung Philharmonie, vorbei an der FKK Wiese. Dann links. Hier sind die wunderschönen Blumengärten, aber jetzt haben sie hier kleine Gatter wegen den Kaninchen. Sir Peter ist doch kein Hürdenläufer, also außen herum. Über die lange Wiese, zwischen den beiden Bäumen durch. Nur noch der kleine Kreisel, die Stufen herauf, über die Straße des 17. Junis und die ganze Runde noch einmal. Wie jedes mal. Runde für Runde. Monat für Monat. Jahr für Jahr.

